Stadt Neustadt in Holstein — Hafenquartier
Wie erschaffen wir ein Hafenquartier, das von den Menschen geliebt wird und gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch anschlussfähig ist?
Wirkung: Aus einer politisch und gesellschaftlich anspruchsvollen Ausgangslage wurde eine handlungsfähige Struktur. Heute entsteht das Hafenquartier — wirtschaftlich und politisch tragfähig.
Eckdaten
- Kunde: Stadt Neustadt in Holstein
- Kontext: Stadtentwicklung, Reaktivierung eines Hafen-Industriegebiets
- Zeitraum: mehrjähriger Prozess, Umsetzung läuft bis 2030
- Umfang: ca. 20 Mikro-Workshops, Beteiligungsformate bis ~300 Personen
- Methoden: Design Thinking, Co-Creation, aufsuchende Befragungen, Interviews, Ortsbegehungen, Shadowing
Ausgangslage und Knackpunkt
Stadtentwicklung ist selten ein Architektur-Problem. Meist ist es ein Stakeholder-, Entscheidungs- und Anschlussfähigkeits-Problem. In Neustadt in Holstein ging es um die Entwicklung der Hafenwestseite — die Reaktivierung eines hafennahen Industriegebiets in einem Umfeld mit vielen Interessen, politischer Reibung und hoher Unsicherheit.
Das Gebiet war dysfunktional und an manchen Stellen bereits brachgefallen — aber die Richtung war offen: moderner Industriehafen, neues Quartier mit Aufenthaltsqualität, oder etwas ganz anderes. Viele Akteurinnen und Akteure, viele Erwartungen — und gleichzeitig die Frage, wie man aus einem offenen Möglichkeitsraum zu tragfähigen Leitplanken und nächsten Schritten kommt, die von einer Mehrheit mitgetragen werden.
Der kritische Punkt: Was fehlt, ist nicht der Wille, sondern die saubere Sichtbarkeit von Bedürfnissen, Befürchtungen, Chancen und Zielkonflikten. Ohne diese Klarheit werden Entscheidungen entweder zu früh getroffen (top-down) oder zu spät (Endlosschleife). Ziel war deshalb, Komplexität so zu strukturieren, dass Orientierung und Handlungsfähigkeit entstehen — ohne sie wegzuretuschieren.
Vorgehen
Wir haben den Prozess mit Design-Thinking-Logik und systemischem Blick aufgesetzt — als Lern- und Entscheidungsarchitektur im Multi-Stakeholder-Feld:
- Bedürfnis- und Kontextanalyse mit Bevölkerung, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Umfeld — um Spannungsfelder, Anforderungen und blinde Flecken sichtbar zu machen.
- Exploration und Vergleich: Häfen entlang der Ostsee wurden vor Ort besucht — Perspektivwechsel, Benchmarks, Lerntransfer, um aus lokalen Denkmustern rauszukommen.
- Iterative Co-Creation: Mikro-Workshops mit lokalen Gruppen plus konsequente Expert*innen-Einbindung; Annahmen wurden schnell getestet, Anschlussfähigkeit aktiv hergestellt. Ergänzend die Kooperation mit der TU Berlin, um Perspektiven zu erweitern und Erkenntnisse wissenschaftlich zu fundieren.
- Verdichtung: Übersetzung der Erkenntnisse in klare Leitplanken, Anforderungen und Entscheidungsvorlagen, damit der Prozess wirklich in nächste Schritte übergehen konnte.
Ergebnis und Wirkung
Entstanden ist ein belastbares gemeinsames Arbeitsfundament — kein Konzeptpapier zum Wegheften: ein geteiltes Verständnis zentraler Bedürfnisse und Konfliktlinien, robuste Leitplanken für die weitere Planung, eine tragfähige Erzählung über unterschiedliche Interessen hinweg, plus eine Prozesslogik, die Entscheidungen ermöglicht, ohne Komplexität zu verleugnen.
Die Wirkung: Aus einer politisch und gesellschaftlich anspruchsvollen Ausgangslage wurde eine handlungsfähige Struktur — Orientierung, Anschlussfähigkeit und nächste Schritte, ohne den Reflex, zu früh zu „löschen” oder sich in endlosen Abstimmungen zu verlieren. Heute entsteht daraus ein neues Quartier, das für die Bevölkerung Sinn ergibt und wirtschaftlich wie politisch tragfähig ist.
Tags
#PublicSector · #Stadtentwicklung · #Stakeholder · #Komplexität · #DesignThinking · #Entscheidungsfähigkeit · #Prozessdesign