Simon Steiner
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Standpunkt · Zukunft 20. April 2025

Der Zukunftsfeigling

Über die deutsche Bequemlichkeit im Umgang mit Veränderung — und was Zukunftsmut konkret bedeutet.

Der Zukunftsfeigling

Mir geistert ein Begriff durch den Kopf: Zukunftsfeigheit.

Ich weiß, das klingt erst mal hart. Aber wenn ich mir anschaue, wie wir hierzulande mit den großen Veränderungen umgehen — Klima, Energie, Demografie, Digitalisierung, geopolitische Verschiebungen — dann ist Feigheit das passendste Wort, das mir einfällt. Wir wissen es. Wir reden darüber. Wir handeln nicht.

Die Mechanik dahinter ist erstaunlich konsistent. Erst wird die Veränderung relativiert (so schnell wird es schon nicht kommen), dann wird sie an andere delegiert (die Politik soll sich kümmern / die Wirtschaft soll sich kümmern / die Wissenschaft soll sich kümmern), dann wird der eigene Beitrag kleingerechnet (was bringt’s, wenn ich allein …), und am Ende wird die Untätigkeit als Vernunft umetikettiert (man muss erst die Auswirkungen abwarten).

Was dabei systematisch verloren geht, ist der unternehmerische Reflex: Wenn keiner sonst etwas tut, fange ich an. Genau dieser Reflex unterscheidet die wenigen, die in Veränderungs­zeiten Räume öffnen, von den vielen, die zuschauen.

Zukunftsmut ist nichts Heroisches. Zukunftsmut ist die nüchterne Bereitschaft, mit dem zu starten, was da ist — wer ich bin, was ich weiß, wen ich kenne — und ein erstes Stück des Weges zu gehen, bevor klar ist, ob es klappt. Affordable Loss als Maßstab statt erwartbarem Return. Pro-Aktion statt nochmaligem Abwarten.

Was wir gerade brauchen, sind nicht weniger Skeptiker. Skeptiker haben wir genug. Was wir brauchen, sind mehr Leute, die trotzdem anfangen — auch wenn die Erfolgsgarantie fehlt. Auch wenn die Fördermittel noch nicht da sind. Auch wenn das Lehrbuch noch nicht entschieden hat, ob das jetzt Innovation oder Größenwahn war.

Übrigens, kleine Etymologie noch zum Schluss: Das Wort Mut hat dieselbe Wurzel wie Gemüt. Mut ist die Verfassung, in der man sich entscheiden kann, trotz der Angst zu handeln. Genau das ist Zukunftsmut: Du hast Angst um die Zukunft. Und du handelst trotzdem.

Wenn der Ofen aus ist, ist er aus. Get over it. Lasst uns anfangen.


(Dieser Text ist eine Zusammenfassung. Der vollständige Essay folgt — wird aus dem Vault migriert.)

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